Mehr als drei Jahrzehnte lang wurden die Vorwürfe des sexuellen, psychologischen und spirituellen Missbrauchs gegen den slowenischen Pater Marko Rupnik mit Vertuschungen und bürokratischen Verzögerungen beantwortet.

In einer Ansprache auf einer Tagung für Schutzmaßnahmen im Oktober 2025 hob Papst Leo XIV. die Notwendigkeit von Transparenz und Sicherheit innerhalb der katholischen Kirche hervor.

»Ich erneuere meinen Appell, dass jeder Form von Missbrauch in der Kirche absolut inakzeptabel ist«, erklärte der Papst.

Doch seitdem die Vorwürfe gegen Pater Rupnik während des Pontifikats von Papst Franziskus an die Öffentlichkeit gelangten, wurde die Glaubwürdigkeit der Kirche auf die Probe gestellt – vor allem in ihrer Bereitschaft zu Transparenz und der Aufarbeitung der institutionellen Probleme, die es dem slowenischen Künstler ermöglichten, seine öffentliche künstlerische Tätigkeit jahrzehntelang weithin unbehelligt auszuüben.

Vorwürfe und Enthüllungen

Erst 2022 machten investigative Enthüllungen die zahlreichen Vorwürfe gegen Pater Rupnik öffentlich. Doch bereits seit Anfang der 1990er Jahre gab es interne Warnungen und Beschwerden über angebliche psychische, spirituelle und sexuelle Übergriffe des slowenischen Priesters.

Details der Verbrechen innerhalb der damals aufgelösten Gemeinschaft Loyola – einer Frauenreligionsgemeinschaft, die der slowenische Priester und die Schwester Ivanka Hosta Anfang der 1980er Jahre in Ljubljana mitbegründet hatte – veröffentlichte das italienische Blog Left.it.

Der slowenische Priester Marko Ivan Rupnik während der »Giornate dell’Editoria Cattolica« (Tage des katholischen Verlagswesens) in Rom, Italien, am 26. Juni 2019. Im Jahr 2022 wurden die Vorwürfe des sexuellen, psychologischen und spirituellen Missbrauchs gegen den slowenischen Priester und ehemaligen Jesuiten öffentlich. Die Ernennung der Richter für den kanonischen Prozess war die letzte offizielle Meldung im Fall – bis 2026. (OSV News photo/Reuters)

Bei der Bitte um Zeugenaussagen veröffentlichte das Blog einen Brief, den ein Mitglied der Gemeinschaft 2021 an Papst Franziskus gerichtet hatte und in dem es die mutmaßlichen Verbrechen Pater Rupniks detailliert beschrieb. Auch andere frühere Mitglieder hatten in diesem Jahr Kontakt mit dem Papst aufgenommen. Doch laut Left.it erhielt niemand eine Antwort.

Das anonyme Mitglied erklärte, dass noch immer einige der Gemeinschaft angehörten, die die Reformschritte innerhalb der Loyola-Gemeinschaft als Form der Verfolgung von Pater Rupnik und Schwester Ivanka deuteten. Sie selbst habe darum gebeten, aus der religiösen Gemeinschaft entlassen zu werden – als exclaustratio.

»In den Anfängen der Gemeinschaft herrschte auch der Missbrauch des Gewissens, daneben emotionale und vermutlich sexuelle Übergriffe durch Pater Marko Rupnik«, schrieb sie an Papst Franziskus. »Als Freundin der Gründerin und einiger früherer Schwestern hatte er einen engen und ständigen Einfluss auf das persönliche Leben aller Schwestern und die Gemeinschaft als Ganzes.«

Eine weitere Zeugenaussage veröffentlichte 2022 anonym Gloria Branciani – eine weitere frühere Mitglied der Loyola-Gemeinschaft, die ihren Namen später selbst preisgab.

Branciani beschrieb ihre Erfahrungen mit Pater Rupnik als »Abstieg in die Hölle« und verwies auf psychische und spirituelle Manipulationen: »Er zielte auf meine Unsicherheiten und meine Schwächen ab, nutzte sogar meine Beziehung zu Gott, um mich zu sexuellen Erfahrungen mit ihm zu drängen.«

Ferner gab sie an, der slowenische Priester habe sie in seinem Studio im römischen Collegio del Gesù »immer mehr erotische Spiele« während oder nach der Messfeier oder Beichte abverlangt.

Laut dem anonyme Schreiben an Papst Franziskus wurde Pater Rupnik 1993 aufgrund »extremen Leidens einiger Schwestern« aus der Gemeinschaft ausgeschlossen. Dennoch sei sein Verhalten »praktisch vertuscht und nicht gemeldet« worden – sowohl durch die unmittelbar Beteiligten als auch durch Schwester Ivanka, die davon wusste.

In einem separaten Artikel erklärte eine Quelle gegenüber Left.it, Pater Rupnik und Schwester Ivanka hätten bei seiner Abberufung heftig gestritten, woraufhin »mehrere Schwestern die Gemeinschaft verließen und sich zu einer Gruppe von Frauen zusammenschlossen, die im Aletti-Zentrum in Rom lebten und mit ihm zusammenarbeiteten«.

Zu diesen Frauen gehörte auch Maria Campatelli, die seit 2020 das Aletti-Zentrum leitet. Das theologisch-künstlerische Zentrum, das 1991 von Pater Rupnik gegründet worden war, wurde 1993 von Papst Johannes Paul II. eingeweiht.

Anzeigen bei den Jesuiten

In Rom erlangten Pater Rupniks Mosaike große Bekanntheit. Zu seinen bekanntesten Werken der späten 1990er und frühen 2000er Jahre zählen die Ausgestaltungen der Redemptoris Mater-Kapelle im Vatikan (1999), das Sanktuarium Unserer Lieben Frau in Lourdes (2008) sowie die Krypta des Sanktuariums des hl. Pio von Pietrelcina in San Giovanni Rotondo (Italien).

Weitere Werke entstanden in Fátima, Washington und auf Malta.

OSV News erfuhr, dass 2000 fünfundzwanzig Mitglieder der Loyola-Gemeinschaft von Schwester Ivanka gezwungen wurden, Pater Rupnik Briefe über erlittene Misshandlungen zu schreiben und ihm zu verzeihen.

»Den Grund, den Ivanka angab, warum wir diese Briefe schreiben sollten, war, dass wir im Heiligen Jahr (2000) Versöhnung mit ihm suchen müssten; ich weiß nicht, ob sie die Briefe dann auch an Marko weitergeleitet hat«, erklärte Fabrizia Raguso, eine ehemalige Loyola-Mitglied, gegenüber OSV News.

Laut einer Chronologie der Jesuiten aus dem Jahr 2022 gingen 2018 Beschwerden wegen sexueller Belästigung sowie der Vorwurf ein, Pater Rupnik habe einer Novizin – mit der er sexuelle Handlungen vollzogen habe – die Absolution erteilt. Die Gesellschaft leitete daraufhin eine Ermittlung ein.

Bis Mai 2019 wurden die Anschuldigungen als glaubwürdig eingestuft. Einen Monat darauf verhängte der damalige Jesuitengeneral Juan Antonio Guerrero – Delegat für die interprovinziellen Häuser und Werke der Gesellschaft Jesu in Rom sowie Rupniks Oberer – beschränkende Maßnahmen gegen den Priester.

Untersuchung und automatische Exkommunikation

Obwohl in der Chronologie der Jesuiten nicht aufgeführt, berichtete die Associated Press, der Vatikan habe Bischof Daniele Libanori – damals Auxiliarbischof in Rom und Jesuit – nach Slowenien entsandt, um Vorwürfe von Loyola-Mitgliedern zu untersuchen.

Ein Dossier wurde an die damalige Kongregation für die Glaubenslehre übermittelt, welche die Jesuiten aufforderte, ein administratives Strafverfahren abzuschließen. Bis Januar 2020 kam die jesuitische Untersuchung zu dem Ergebnis, dass Pater Rupnik der Novizin tatsächlich die Absolution erteilt hatte.

Doch trotz dieser Ergebnisse durfte der slowenische Priester im März 2020 die erste Predigt beim jährlichen Fastenexerzitien für Papst Franziskus und die römische Kurie halten. Unklar bleibt, wer ihm diese Einladung ausgesprochen hatte.

Im Mai 2020 bestätigte die vatikanische Glaubensbehörde formal die erteilte Absolution und die damit verbundene automatische Exkommunikation. Noch im selben Monat hob der Vatikan die Exkommunikation jedoch »nach Eingeständnis und Bitte um Vergebung« durch Pater Rupnik wieder auf, wie die Jesuiten mitteilten.

»Gegen Pater Rupnik wurden administrative Auflagen (für einen Zeitraum von drei Jahren) verhängt, gleichzeitig legte er die Leitung des Aletti-Zentrums nieder«, hieß es in der Chronologie der Jesuiten.

Anzeigen der Loyola-Gemeinschaft

Nach Abschluss seiner Ermittlungen ermutigte Bischof Libanori die Frauen der Loyola-Gemeinschaft, ihre Beschwerden gegen Pater Rupnik direkt bei der Glaubenskongregation einzureichen – wie die Associated Press berichtete.

Nach Eingang der Beschwerden kontaktierte die vatikanische Behörde im Juni 2021 den Generalobere der Jesuiten, Arturo Sosa. Dieser beauftragte den Nachfolger von Juan Antonio Guerrero, Johan Verschueren, mit der Einleitung einer neuen Untersuchung.

Das Ergebnis dieses Verfahrens, das im Januar 2022 vorlag, bestätigte die Glaubwürdigkeit der Vorwürfe seitens der Loyola-Mitglieder und empfahl der Glaubensbehörde strafrechtliche Maßnahmen gegen Pater Rupnik einzuleiten. Noch im selben Monat traf sich Pater Rupnik zu einer Privataudienz bei Papst Franziskus im Vatikan.

Kurz darauf verhängte Pater Verschueren weitere Auflagen. Doch bereits im Oktober 2022 lehnte die Glaubenskongregation – inzwischen Dikasterium für die Glaubenslehre – die Einleitung des Verfahrens aufgrund der gesetzlichen Verjährungsfrist ab.

Öffentliche Enthüllungen

Im Dezember 2022 griffen mehrere italienische Blogs und Nachrichtenportale die Vorwürfe des sexuellen, psychologischen und spirituellen Missbrauchs auf. Die Berichte lösten Empörung aus. Betroffene und Opfervertreter betonten die mangelnde Transparenz der Kirche und deren Versagen – besonders im Umgang mit dem Leid missbrauchter Frauen in ihren Reihen.

Eine Woche nach den Enthüllungen sagte Pater Sosa in einer Pressekonferenz, Pater Rupniks Fall sei »ein gutes Beispiel dafür, wie viel wir noch lernen müssen – besonders im Hinblick auf das Leid der Betroffenen«. Zugleich verwies er darauf, dass solche Fälle »ausschließlich in die Verantwortung des Dikasteriums für die Glaubenslehre« fielen.

Im Februar 2023 gab die Gesellschaft Jesu bekannt, man habe neue Zeugenaussagen und Beschuldigungen wegen angeblichen Missbrauchs erhalten, »die sich zwischen Mitte der 1980er Jahre und 2018 ereignet haben – über einen Zeitraum von mehr als drei Jahrzehnten«. Die Glaubwürdigkeit der Berichte »ist sehr hoch«, hieß es in einer Stellungnahme der Jesuiten.

Das Untersuchungsteam, das für die Entgegennahme von Beschwerden gegen Jesuitenmitglieder zuständig war, »beantragte ein Gespräch mit Pater Rupnik zu diesen Vorwürfen, was jedoch ohne Erfolg blieb«.

Die Stellungnahme fügte hinzu, dass Pater Verschueren nach Lektüre der Beschwerden weitere Auflagen verhängte, darunter »ein Verbot, unter Gehorsamspflicht öffentliche künstlerische Tätigkeiten – insbesondere im Zusammenhang mit religiösen Institutionen – auszuüben«.

Ausschluss aus dem Jesuitenorden

Wenige Monate später, im Juni 2023, kündigten die Jesuiten Pater Rupniks Ausschluss aus dem Orden an wegen »hartnäckiger Weigerung, das Gelübde des Gehorsams zu beachten«.

Trotz der gegen ihn verhängten Auflagen – darunter Reisebeschränkungen und Berufsverbote – wurde er noch bei Restaurierungsarbeiten an lokalen Kirchen in Bosnien-Herzegowina und Kroatien beobachtet.

Laut der Jesuiten hatte das Untersuchungsteam Pater Rupnik angewiesen, in eine andere Gemeinschaft zu wechseln und eine neue Aufgabe anzunehmen. »Angesichts von Pater Rupniks wiederholter Weigerung, sich dieser Anweisung zu unterwerfen, sahen wir uns leider zu der einzigen Konsequenz gezwungen: seinem Ausschluss aus der Gesellschaft Jesu«, hieß es in der Stellungnahme.

Weniger als zwei Monate nach seinem Ausschluss wurde Pater Rupnik vom Bistum Koper in seiner slowenischen Heimat aufgenommen.

Zwei Tage nach dieser Meldung, am 28. Oktober 2023, verkündete der Vatikan, Papst Franziskus habe das Dikasterium für die Glaubenslehre angewiesen, den Fall erneut zu prüfen und die Verjährungsfrist aufzuheben.

In einer Mitteilung der vatikanischen Pressebehörde hieß es, die »Päpstliche Kommission für den Schutz von Minderjährigen« habe den Papst »darauf aufmerksam gemacht, dass es bei der Behandlung des Falls Pater Marko Rupniks schwerwiegende Mängel gab, so wie auch die Opfer keine ausreichende Unterstützung erhielten«. »Der Papst ist fest davon überzeugt, dass die Kirche – vor allem aus den Synodalprozessen – das eine lernen muss: aufmerksam und mitfühlend denjenigen zuzuhören, die leiden, besonders jenen, die sich von der Kirche ausgegrenzt fühlen« – so die Pressebehörde.

Forderungen nach Entfernung der Mosaike

Kreuz nahe einem mit Papier verhangenen Mosaik des slowenischen Priesters und Jesuitenpaters Marko Rupnik in der Kapelle der gloriousen Geheimnisse im nationalen Heiligtum des hl. Johannes Paul II. in Washington, aufgenommen am 23. Juli 2024. Die Vorwürfe des sexuellen, psychologischen und spirituellen Missbrauchs gegen den slowenischen Künstler waren 2022 an die Öffentlichkeit gelangt. Die Ernennung der Richter für den kanonischen Prozess war die letzte offizielle Meldung im Fall – bis 2026. (OSV News photo/Mihoko Owada)

Branciani und eine weitere ehemalige Loyola-Mitglied, Mirjam Kovac, machten im Februar 2024 in Rom ihre Identität öffentlich bekannt. Sie forderten Papst Franziskus auf, die mangelnde Würdigung der Anschuldigungen zu untersuchen, die ihrer Darstellung zufolge von Verantwortlichen ignoriert wurden.

In der Folge berichteten weitere Betroffene nicht nur über die mutmaßlichen Missbrauchserfahrungen, sondern forderten auch die Entfernung seiner Kunstwerke aus Kirchen und öffentlichen Räumen weltweit – unter Hinweis darauf, dass diese Werke eine schmerzhafte Erinnerung an ihre Qualen darstellten.

Einer der mutmaßlichen Opfer Pater Rupniks, Schwester Samuelle, erklärte, sie sei während der Installation eines Mosaiks »missbraucht« worden – wie sie hier darlegte.

In Reaktion auf die Enthüllungen deckten mehrere Heiligtümer seine Kunstwerke ab, darunter das nationale Heiligtum des hl. Johannes Paul II. in Washington und die Holy Family Chapel am Hauptsitz der Knights of Columbus in New Haven (Connecticut) sowie die Basilika in Lourdes – jeweils in respektvoller Rücksichtnahme auf die mutmaßlichen Opfer, wie berichtet wurde.

Andere, darunter das Sanktuarium Unserer Lieben Frau in Fátima, kündigten an, seine Mosaike nicht zu entfernen.

Kritik an der Verwendung vatikanischer Kunstwerke

Auch der Vatikan geriet in die Kritik, da die Nachrichtenwebsite Vatican News weiterhin Kunstwerke Pater Rupniks in einigen Artikeln präsentierte – trotz der Bitten der mutmaßlichen Opfer.

Die wahrgenommene Inkonsistenz geriet besonders in den Fokus, als Paolo Ruffini, damals noch Präfekt des vatikanischen Dikasteriums für Kommunikation, die Nutzung verteidigte. »Die Entfernung der Kunstwerke Pater Rupniks aus dem öffentlichen Raum ist keine christliche Antwort«, erklärte er bei einer Rede vor Medienverantwortlichen auf der katholischen Medienkonferenz in Atlanta im Juni 2024.

Auf Kommunikationsexperten gerichtet argumentierte Ruffini, das Entfernen der Kunstwerke vor einer Entscheidung im kanonischen Verfahren sei »nicht angemessen«.

»Glauben Sie wirklich, einen photographischen Nachweis seiner Kunstwerke vom Internet zu nehmen würde mich näher zu den Opfern bringen? Meinen Sie wirklich?«, fragte Ruffini einen Journalisten von OSV News am Ende seiner Antwort. Als dieser zustimmend antwortete, erwiderte Ruffini: »Ich glaube, Sie liegen falsch.«

Wenige Tage nach Ruffinis Kommentaren forderte Kardinal Seán P. O’Malley, damaliger Präsident der Päpstlichen Kommission für den Schutz von Minderjährigen, die Dikasterien der römischen Kurie auf, bei der Darstellung von Kunstwerken Pater Rupniks »pastorale Klugheit« walten zu lassen.

Eine solche »weise Zurückhaltung« – so der Kardinal – sei notwendig, »um kunstvolle Darstellungen weder als Begünstigung noch als subtile Verteidigung« einer Person zu interpretieren, »die des Missbrauchs beschuldigt wird, noch um Gleichgültigkeit gegenüber dem Leid und dem Schmerz so vieler Opfer von Missbrauch zu signalisieren«. »Papst Franziskus hat uns ermahnt, sensibel zu sein und mit denen zu solidarisieren, die durch alle Formen von Missbrauch verletzt wurden. Ich bitte Sie, dies im Sinn zu behalten, wenn Sie Bilder für die Veröffentlichung von Botschaften, Artikeln oder Reflexionen auf den verschiedenen uns zur Verfügung stehenden Kommunikationskanälen auswählen«, sagte der Kardinal.

Trotz dieser Empfehlung veröffentlichte Ruffinis Büro zwei Tage später auf Vatican News ein von Pater Rupnik geschaffenes Ikon des hl. Irenäus von Lyon im Rahmen der Rubrik »Heiliger des Tages«.

Vorbereitung des kanonischen Prozesses

Das Konklave, das Papst Franziskus am 21. April 2025 folgte, verzögerte die kanonischen Prozesse gegen Pater Rupnik.

Doch weniger als einen Monat nach der Wahl Papst Leos zog die vatikanische Nachrichtenplattform Vatican News leise Kunstwerke von Pater Rupnik von ihrer Website ab.

Die Mosaike an den Türen der Fassade der Rosenkranz-Basilika im Sanktuarium Unserer Lieben Frau in Lourdes (Südwestfrankreich) werden in einer undatierten Aufnahme, bereitgestellt vom Sanktuarium, verhangen. (OSV News photo/courtesy Lourdes Sanctuary)

Vor dem Apostolischen Besuch Papst Leos in Frankreich vom 25. bis 28. September 2025 erklärte Bischof Jean-Marc Micas von Tarbes und Lourdes gegenüber der französischen Wochenzeitschrift Paris Match, Papst Leo habe ihm während einer Audienz im Juni 2025 mitgeteilt, der Papst habe »Anweisung an die vatikanische Kommunikationsabteilung gegeben, Veröffentlichungen nicht länger mit Mosaiken Rupniks zu illustrieren«. Weiter kommentierte der Bischof, Papst Leo sei »in dieser Frage sehr bestimmt«.

Im Juli 2025 gab Kardinal Víctor Manuel Fernández, Präfekt des Dikasteriums für die Glaubenslehre, eine bedeutende Neuigkeit bekannt: Die Ernennung eines Gremiums aus Richtern für den kanonischen Prozess gegen Pater Rupnik.

Wie der Kardinal gegenüber Journalisten in Rom erklärte, setze sich dieses Richterkollegium »aus Richtern zusammen, die alle unabhängig und extern zum Dikasterium« seien.

Drei Monate später veröffentlichte das Dikasterium für die Glaubenslehre eine Mitteilung, in der die formelle Ernennung von fünf Richtern bekannt gegeben wurde.

»Die Richterbank setzt sich aus Frauen und Geistlichen zusammen, die keine Mitglieder des Dikasteriums für die Glaubenslehre sind und keine Ämter innerhalb der Dikasterien der römischen Kurie bekleiden«, hieß es in der Mitteilung des vatikanischen Presseamtes.

»Dies soll dazu dienen, die Autonomie und Unabhängigkeit des genannten Tribunals – wie in jedem Gerichtsverfahren – in vollem Umfang zu gewährleisten«, so das Communiqué. Ein Datum für den Prozessbeginn nannte die Mitteilung nicht.

Die Ernennung der Richter war die letzte offizielle Meldung im Fall – bis 2026.

Mangelnde Information

Am 20. Juli berichtete die italienische Website Messainlatino.it unter Berufung auf »persistente und hochrangige Quellen«, es liege bereits ein Urteil vor und Pater Rupnik sei freigesprochen worden.

Das Gerücht veranlasste Laura Sgrò, eine zivil- und kanonrechtliche Anwältin, die fünf mutmaßliche Opfer Pater Rupniks vertritt, zu einem offenen Brief an Kardinal Fernández. Darin kritisierte sie die mangelnde Transparenz des Dikasteriums, da weder sie noch ihre Mandantinnen informiert worden seien, ob der Prozess überhaupt begonnen habe. Diese »weitere Form der Gewalt gegen meine Mandantinnen« – so schrieb sie – füge »den noch immer nicht verheilten Wunden meiner Klientinnen neuen Schmerz hinzu«. »Sie haben nie eine Nachricht erhalten – auch nicht durch mich – über diesen Prozess, über den nichts bekannt wird als Gerüchte«, fügte sie hinzu.

Der vermeintliche Freispruch löste eine Stellungnahme des vatikanischen Presseamtes aus, in der diese Berichte als »völlig unbegründet« bezeichnet wurden. Zugleich bestätigte es, dass der kanonische Prozess noch geprüft werde.

»Wie bei jedem juristischen Verfahren dürfen während des Prozesses – aus Respekt vor dem Verfahren selbst und um allen Beteiligten keinen weiteren Schaden zuzufügen – keinerlei Informationen über die laufenden Ermittlungen weitergegeben werden, wie dies in letzter Zeit geschehen ist«, erklärte der Leiter des Presseamtes, Matteo Bruni.

»Sollte das Gremium der Auffassung sein, weitere Informationen zu benötigen, wird es die notwendigen Schritte von sich aus einleiten.«

Während die Mitteilung erstmals offiziell bestätigte, dass der Prozess begonnen habe, bleibt sein Ausgang aufgrund der Geheimhaltung des Verfahrens ungewiss.

Junno Arocho Esteves ist internationaler Korrespondent für OSV News. Folgen Sie ihm auf X: @jae_journalist.

Aktualisiert am 1. September 2026, 8:16 Uhr ET