Viele Katholiken glauben, dass „katholisch“ „allumfassend“ bedeutet, und sie haben recht, aber sie machen den Fehler zu glauben, dies sei allumfassend nicht durch die Geschichte hindurch, sondern nur heute in der gegenwärtigen Kirchenkrise.

Wir blicken auf den großen Heiligen und Kirchenlehrer des 5. Jahrhunderts, den hl. Vinzenz von Lerin, um zu erfahren, wie man sich in einer Kirchenkrise zurechtfindet, in der viele Bischöfe Verschiedenes glauben und lehren. Der hl. Vinzenz von Lerin gehörte zu den wenigen, sehr wenigen Bischöfen, die gegen die im 5. Jahrhundert verbreitete Häresie des Arianismus kämpften, der von 98 % der Bischöfe seiner Zeit vertreten wurde.

Wir werden nachstehend in seinen Schriften sehen, warum „katholisch“ nicht „allumfassend“ bedeutet (etwa im Sinne einer Meinungsumfrage zu einem bestimmten Zeitpunkt der Geschichte), sondern dass der Katholizismus das ist, was „überall, immer und von allen“ Katholiken der Vergangenheit geglaubt wurde. Denn New Advent zitiert den großen Heiligen:

Ferner muss in der katholischen Kirche selbst alle mögliche Sorgfalt darauf verwendet werden, dass wir jene Glaubenstradition festhalten, die überall, immer und von allen geglaubt wurde. Denn das ist im wahrsten und strengsten Sinne katholisch, was, wie der Name selbst und die Natur der Sache es darlegen, alles allumfassend begreift. Diese Regel werden wir befolgen, wenn wir Universalität, Altertum und Zustimmung folgen. Wir folgen der Universalität, wenn wir jenen einen Glauben als den wahren bekennen, den die ganze Kirche überall in der Welt bekennt; dem Altertum, wenn wir in keiner Weise von jenen Auslegungen abweichen, die offenkundig von unseren heiligen Vorfahren und Vätern vertreten wurden.

Hier sind weitere Zitate in Kursivschrift von dem Kirchenlehrer, dem hl. Vinzenz von Lerin, der sich gegen die globale Häresie des 4. Jahrhunderts des Arianismus stellte, mit meiner Analyse in Fettdruck, die diese auf die gegenwärtige, globale Häresie des Modernismus anwendet:

Hl. Vinzenz: Was also wird ein katholischer Christ tun, wenn ein kleiner Teil der Kirche sich selbst von der Gemeinschaft des universellen Glaubens abgeschnitten hat? Was anderes, als die Gesundheit des gesamten Körpers der Krankheit eines pestilenzartigen und verderbten Gliedes vorziehen? Was, wenn eine neue Seuche sucht, nicht nur einen unbedeutenden Teil der Kirche, sondern die ganze zu infizieren? Dann wird er darum bemüht sein, am Altertum festzuhalten, das in der Gegenwart durch keinerlei Betrug der Neuheit verführt werden kann.

Pater David: Natürlich könnte der erste Satz nicht von Traditionalisten, sondern vielmehr gegen Traditionalisten verwendet werden, nämlich: „Wenn ein kleiner Teil der Kirche sich selbst von der Gemeinschaft des universellen Glaubens abgeschnitten hat“, solle er aus dem Körper ausgeschnitten werden. Sind nicht jene heute, die die traditionelle lateinische Messe (TLM) besuchen und an denselben Glauben wie unsere Urgroßeltern festhalten, einfach „ein kleiner Teil der Kirche“? Ja, wir sind klein, und manche würden sagen „pestilenzartig“. Doch der hl. Vinzenz von Lerin fordert uns wiederum auf, nicht nur die 1 Milliarde Katholiken zu bedenken, die derzeit leben, sondern alle Katholiken, die je gelebt haben. Woher wissen wir, dass dies seine Aussage ist? Weil er das Wort „pestilenzartig“ mit den beiden Wörtern „neue Seuche“ verknüpft. Jede neue Lehre, die sogenannte „Katholiken“ entwickeln, muss immer als eine neue Infektion betrachtet werden, die nur bestimmte traurige Zeiten der Kirchengeschichte betrifft. Das Heilmittel gegen den Krebs einer solchen „neuen Seuche“ in einem jeden dunklen Punkt der Kirchengeschichte wurde soeben vom Kirchenlehrer niedergeschrieben: „Es wird sein Bemühen sein, am Altertum festzuhalten, das in der Gegenwart durch keinen Betrug der Neuheit verführt werden kann.“

Hl. Vinzenz: So auch, als das arianische Gift nicht nur einen unbedeutenden Teil der Kirche, sondern nahezu die ganze Welt infiziert hatte, sodass eine Art Blindheit über nahezu alle Bischöfe lateinischer Zunge gefallen war, teils durch Gewalt, teils durch Betrug umgarnt, und sie davon abhielt zu sehen, was inmitten so vieler Verwirrung das Zuträglichste war, dann zog, wer ein wahrer Liebhaber und Verehrer Christi war, [den] alten Glauben dem neuen Irrglauben vor und entging der pestilenzartigen Infektion.

Pater David: Wiederum sehen wir, dass es möglich ist, dass Gott 99 % der katholischen Bischöfe der Welt in den dunkelsten Zeiten der Kirchengeschichte in Irrtum fallen lässt, besonders wenn Katholiken unter einer großen Strafe Gottes für ihre eigenen Sünden leben. Aber der Lackmustest für Häresie in einer Person ist, ob sie „den alten Glauben dem neuen Irrglauben vorzieht“. Wenn Verwirrung in der Kirchengeschichte herrscht, lehrt der hl. Vinzenz, dass jene mit neuen Glaubenssätzen in „Blindheit“ leben, der „wahre Liebhaber und Verehrer Christi“ jedoch „den alten Glauben“ festhält. Der alte Glaube ist derselbe Glaube, den alle verstorbenen Katholiken vor uns geglaubt haben. In der Tat sind diese toten Katholiken derzeit die lebendigsten in Christus.

Hl. Vinzenz: Aber es mag sein, dass wir diese Vorwürfe aus Hass auf die Neuheit und Eifer für das Altertum erfinden. Wer geneigt ist, solcher Unterstellung zu glauben, der glaube wenigstens dem seligen Ambrosius, der die Bitterkeit der Zeit beklagend im zweiten Buch seines an den Kaiser Gratian gerichteten Werkes sagt: „Genug nun, o allmächtiger Gott! Haben wir mit unserem eigenen Verderben, mit unserem eigenen Blut die Ermordung von Bekennern, die Verbannung von Priestern und die Bosheit einer derartigen äußersten Gottlosigkeit gesühnt. Es ist klar und fraglos, dass die, welche den Glauben gebrochen haben, nicht in Sicherheit bleiben können.“

Pater David: Ich sagte kürzlich abends einer jungen Familie, dass es gerade die heiligsten Priester sind, die ich kenne (die viel heiliger sind als ich), die immer unter falschen Anschuldigungen beiseitegestellt oder suspendiert werden, während die korrupte und häretische Geistlichkeit nahezu bis auf den letzten Mann im 21. Jahrhundert unbehelligt weitermacht. In der Tat vollzieht die Häresie des Modernismus genau das, was der hl. Ambrosius Gott zu beenden flehte: „die Verbannung von Priestern“. Er beklagte das Beiseitestellen wahrer Priester, nicht häretischer Priester. So müssen auch wir für das Ende dieser Strafe von Gott beten, die Er zulässt: den Abfall von oben nach unten, wie (höchstwahrscheinlich) im dritten Geheimnis von Fatima prophezeit.

Hl. Vinzenz: Aber an dieser göttlichen Tugend, wie wir sie nennen mögen, die jene Bekennner an den Tag legten, müssen wir besonders beachten, dass die Verteidigung, die sie damals in ihrer Berufung auf die Alte Kirche übernahmen, die Verteidigung nicht eines Teils, sondern des ganzen Körpers war. Denn es ziemte sich nicht für Männer solcher Bedeutung, mit so gewaltiger Mühe die vagen und einander widerstreitenden Meinungen eines oder zweier Männer aufrechtzuerhalten oder sich in der Verteidigung einer übereilten Verbindung einer unbedeutenden Provinz anzustrengen; sondern den Dekreten und Definitionen des universellen Priestertums der heiligen Kirche treu bleibend, als Erben apostolischer und katholischer Wahrheit, zogen sie es vor, sich selbst preiszugeben, als den Glauben der Universalität und des Altertums zu verraten. Um welcher Sache willen sie so großer Herrlichkeit für würdig erachtet wurden, dass sie nicht nur zu Bekennern gezählt wurden, sondern zurecht und verdientermaßen als die ersten unter den Bekennern gelten.

Pater David: Beachten Sie hier, dass der hl. Vinzenz von Lerin im Wesentlichen sagt, dass die Bösewichte der Kirchengeschichte immer Meinungen fördern, die er nur als „vage“ bezeichnen kann, während die guten Männer der Kirchengeschichte an einem Glauben festhalten, den er nur als „apostolisch und katholisch“ bezeichnen kann. Der Modernismus hat die ganze Kirche infiziert, aber er begann, wie der hl. Vinzenz von Lerin sagte, mit den „vagen und einander widerstreitenden Meinungen eines oder zweier Männer“. In der Tat gebrauchen Häretiker stets vage Sprache, um sich schleimig anzuwiegen und sich wie eine Schlange davonschleichen zu können. Jene jedoch, die am apostolischen Katholizismus festhalten, wählen „den Glauben der Universalität und des Altertums“, wie der hl. Vinzenz schrieb. Beachten Sie erneut, dass „Universalität“ nicht das bedeutet, was von den meisten Katholiken in einer isolierten Epoche der Kirchengeschichte irrig vertreten werden könnte, sondern der Heilige „Universalität“ unmittelbar mit „Altertum“ verknüpft. Das heißt, der katholische Glaube ist der Glaube unserer Väter. Unser Glaube ist derjenige, der nicht von einer Bischofskonferenz vertreten wird, sondern der, der „überall, immer und von allen“ geglaubt wurde, wie der Heilige sagte.

Hl. Vinzenz: Aber jemand wird fragen, wie es dann kommt, dass gewisse hervorragende Personen von Rang in der Kirche oft von Gott zugelassen werden, Katholiken neue Lehren zu predigen? … Der Grund ist klarer als der Tag, warum die göttliche Vorsehung es manchmal zulässt, dass bestimmte Lehrer der Kirchen neue Lehren predigen — auf dass der Herr, euer Gott, euch prüfe; sagt er. Und gewiss ist es eine große Prüfung, wenn einer, den du für einen Propheten hältst, einen Jünger der Propheten, einen Lehrer und Verteidiger der Wahrheit, den du mit äußerster Ehrfurcht und Liebe an deine Brust gedrückt hast, ein solcher plötzlich heimlich und verstohlen schädliche Irrtümer einschleppt, die du weder schnell entdecken kannst, da du im Ansehen seiner früheren Autorität gefangen bist, noch leicht für richtig hältst zu verdammen, da deine Zuneigung zu deinem alten Meister dich davon abhält.

Pater David: Beachten Sie, dass Gott nur zulässt, dass gute Katholiken doctrinell von einer schlechten Hierarchie verraten werden, nicht damit solche guten Katholiken in die Hölle kommen, sondern damit sie einen höheren Platz im Himmel erlangen, indem sie die klassischen Wahrheiten des katholischen Glaubens angesichts solch schlechter Führung erkennen. Natürlich macht es keinen Spaß, schlechte Führung in der Kirche zu haben, aber sie wird nur zugelassen, „auf dass der Herr, euer Gott, euch prüfe“. Bedenken Sie in der Tat, wie viele lauwarme Katholiken nur in den vergangenen zwei Jahren klassische katholische Lehren googeln mussten, um einer tausendfach widerstreitenden Meinungen in der gegenwärtigen Hierarchie auf den Grund zu gehen. Sogar Nichtkatholiken googeln die Wahrheiten des traditionellen Katholizismus nicht trotz unserer eigenartigen Führung, sondern gerade wegen unserer eigenartigen Führung. Ehre sei Gott, dass aus dieser Verwirrung neue Konvertiten erwachsen, die den apostolischen Katholizismus und unsere frühen Kirchenväter entdecken. Sie entdecken den einen katholischen Glauben, der im „Altertum“ gefunden wird, wie der hl. Vinzenz von Lerin es nennt. Die Heiligen lehren klar, dass, wenn Verwirrung in der Hierarchie herrscht, das „Altertum“ der einzig sichere und verbürgte Weg zu Jesus Christus, dem Sohn Gottes, dem einzigen Erlöser der Welt, ist.