“Speculatores eius cæci omnes, nescierunt universi; canes muti non valentes latrare” (Is 56, 10). Seine Wächter sind allesamt blind, keiner weiß etwas; sie sind stumme Hunde, unfähig zu bellen.

Die Tatsachen sind inzwischen bekannt; ich fasse sie nur zusammen, denn die Chronologie ist bereits ein Urteil. Am 7. August verweigerte das Staatssekretariat die Messe im «usus antiquior». Am 30. September verweigerte das Staatssekretariat – mit einem Schreiben, das laut dem National Catholic Register am 12. Oktober in Paris eintraf – sogar den Einzug in Prozession in die Vatikanische Basilika, um für den Papst zu beten und das Allerheiligste Sakrament anzubeten. Am 23. Oktober, vierundzwanzig Stunden vor der Wallfahrt, gaben die Organisatoren dies bekannt. Am 24. Oktober wurden die aus allen Teilen der Welt angereisten Pilger an der Grenze des italienischen Hoheitsgebiets aufgehalten. Zuvor war nichts mitgeteilt worden: weder das Schreiben vom August noch jenes vom September noch das elf Tage zuvor eingetroffene.

Der Palast interessiert mich an diesem Punkt nicht. Der Palast hat getan, was der Palast tut: Er hat in zwei Zeilen geantwortet, ohne Begründung, mit einer Aktennummer. Der Palast ist sich zumindest selbst treu.

Mich interessieren jene, die den Gläubigen hätten mitteilen müssen, was sie wussten, und die beschlossen haben zu schweigen, um nicht das Gesicht zu verlieren.

Die Organisatoren wussten es, sie hatten die Schreiben in Händen. Schneider wusste es; er hatte während der ihm vom Palast gewährten Privataudienz um die Messe gebeten und kannte die Ablehnung bereits. Ob die anderen es wussten oder nicht – die Kardinäle, Professoren, Monsignori und Oberen: Burke, Schneider, Barthe, Wach, die Institute Christus König und St. Petrus, De Mattei … –, sie haben der Wallfahrt ihren Namen und ihre Autorität geliehen, die Pilger aber nicht begleitet: Sie haben sie im Stich gelassen, um die Beziehungen zum Palast nicht zu gefährden. Sie wussten Bescheid, und ihre Schuld besteht nicht nur im Schweigen, sondern im Verrat an den eigenen Gläubigen, auf denen die Demütigung und der Skandal der Ablehnung lasteten.

Und es kommt noch schlimmer. Nachdem man die Pilger nach Rom hatte kommen lassen, beklagte man die von den Kommentatoren verursachte Verwirrung und bekräftigte, die Wallfahrt entspringe der Liebe zu dem Papst, der sie zurückgewiesen hat. Ein vatikanischer Sprecher ging so weit zu sagen, man hätte lediglich einen konkreteren Antrag stellen müssen; doch der Wortlaut des Schreibens vom 8. September widerlegt ihn Wort für Wort. Jemand beeilte sich dann, nachträglich zu erklären, im Grunde handle es sich um eine Verfahrensfrage, ein Missverständnis, einen unglücklichen Umstand: Zur Schande kommt so noch die Schande hinzu.

Und in Santa Maria Maggiore, wo nicht nur das Pontifikalamt verweigert, sondern auch die Austeilung der Kommunion untersagt wurde, weil die für die stille Messe gewährte Stunde um acht Minuten überschritten worden war, bedankte man sich schriftlich beim Erzpriester der Basilika und sogar beim Zeremoniar. Auch die jämmerliche Widerrufserklärung eines weiteren Vertreters des Tradikonservatismus, Peter Kwasniewski, sei nicht vergessen.

Wer den Beamten rechtfertigt, der das Gebet vor dem Altar der Kathedra verweigert, verteidigt nicht die Kirche: Er verteidigt eine bürokratische Fiktion gegen den Glauben – und zugleich die eigenen Interessen.

Das ist die Empörung. Die Schande ist eine andere und bitterer. Es ist die Schande, Männer, die die Messe aller Zeiten predigen, sich dann, wenn es darum geht, «Gesicht zu zeigen», wie Angestellte einer Verwaltung verhalten zu sehen: Man stört nicht, setzt sich nicht dem Risiko aus, sagt nichts, solange man es nicht folgenlos sagen kann. Die Gläubigen sind gereist, haben gebetet und wurden abgewiesen und gedemütigt. Von ihren Hirten verlangte niemand, die Basilika zu erobern: Man bat sie, die Gläubigen zu warnen.

Der Herr hat geschrieben: “Domus mea domus orationis vocabitur cunctis populis” (Is 56, 7). Alle Völker also, außer den Katholiken, die nur ihren Glauben bekennen und beten wollen. Und keiner von denen, die es wussten, hatte den Mut, es laut auszusprechen.

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