Die Kommunistische Partei Chinas (KPCh) hat einen weiteren Schritt in ihrer Politik der Kontrolle über die katholische Kirche vollzogen. Ab sofort müssen Priester, Bischöfe, Diakone und Ordensleute der offiziellen Kirche öffentlich ihre Loyalität zur Partei erklären, das sozialistische System unterstützen und ihr Amt gemäß den von Peking vorgegebenen ideologischen Leitlinien ausüben.
Die neuen Verhaltensregeln für das katholische Kirchenpersonal, die von der Chinesischen Patriotischen Katholischen Vereinigung und der sogenannten Chinesischen Bischofskonferenz — den vom Staat kontrollierten Organen zur Leitung der offiziellen Kirche — im Dezember 2025 verabschiedet wurden, blieben jedoch bis Ende Mai dieses Jahres unveröffentlicht. Der vollständige Text wurde vom China-Zentrum (China heute) übersetzt und veröffentlicht. Dessen Einschätzung zufolge weisen die Bestimmungen «eine klare politische Prägung» auf und spiegeln zahlreiche Forderungen des Staats-Partei-Regimes wider.
Das Dokument geht weit über die Festlegung disziplinarischer Normen für den Klerus hinaus: Es macht die Treue zum Regime zu einer untrennbaren Voraussetzung für das priesterliche Amt. Die katholischen Amtsträger sollen ausdrücklich die Führung der Kommunistischen Partei Chinas unterstützen, das sozialistische System befürworten, mit der Regierung bei der Umsetzung der staatlichen Religionspolitik zusammenarbeiten und zur sogenannten «Sinisierung» des Katholizismus beitragen — einer Strategie, die Xi Jinping vorantreibt und die Religionen den politischen Zielen des Regimes unterordnet.
Eine neue Interpretation der Lehre
Einer der auffälligsten Aspekte der Verordnung besteht darin, dass die politische Loyalitätsforderung nicht nur das Verhalten der Priester betrifft, sondern auch den Inhalt der kirchlichen Lehre selbst erfasst.
Die Regeln legen fest, dass katholische Lehre und Disziplin «geleitet von den sozialistischen Grundwerten» und der traditionellen chinesischen Kultur interpretiert werden müssen, um «den Anforderungen der Entwicklung des heutigen China» zu entsprechen. Ferner heißt es, das Kirchenpersonal habe aktiv an der Schaffung eines theologischen Denkens «mit chinesischen Charakteristika» mitzuwirken, das Prinzip der Unabhängigkeit von ausländischem Einfluss anzuerkennen und die Leitung der staatlich geschaffenen patriotischen Organisationen zu akzeptieren.
Diese Unterordnung erstreckt sich auch auf die pastorale Tätigkeit. Die Amtsträger sollen mit den Behörden bei der Bekämpfung als illegal eingestufter religiöser Aktivitäten zusammenarbeiten, die sogenannten Häresien bekämpfen und jeden ausländischen Einfluss ablehnen, den das Regime als Bedrohung für die nationale Souveränität deutet.
Vom priesterlichen Amt zum Alltagsverhalten
Die Verordnung widmet sich ebenso ausführlich der Regelung konkreter Aspekte des Klerikerlebens. Sie mahnt Priester und Ordensleute zu einem enthaltsamen Lebensstil, zur Praxis der Nächstenliebe und zu einem vorbildlichen geistlichen Leben. Gleichzeitig führt sie ein umfassendes Verzeichnis administrativer und disziplinarischer Verbote ein.
Darunter fallen unter anderem die Aneignung von Kirchenvermögen, die Ausübung gewerblicher Tätigkeiten in den Kirchenräumen, die Trauungsfeiern unter Mitwirkung von Unternehmen, die Erhebung verdeckter Gebühren an Gläubige, die Bevorzugung von Vetternwirtschaft, die Bildung von Fraktionen innerhalb der Kirche, die Pflege «vulgärer Hobbys» oder der Verkauf religiöser Gegenstände über das Internet.
Die Analyse des China-Zentrums
In ihrer Vorstellung des Dokuments hebt das China-Zentrum hervor, dass diese Regeln ein neues Instrument der Religionspolitik des Regimes darstellen, und unterstreicht einen aufschlussreichen Kontrast: Während politische Pflichten einen Großteil des Textes einnehmen, finden sich kaum Bezüge auf traditionell zentrale Aspekte des priesterlichen Lebens wie die Nachfolge Christi, das Gebet, die pastorale Nächstenliebe oder die geistliche Sorge um die Gläubigen.
Die Veröffentlichung dieser Verordnung erfolgt zu einer Zeit, in der das geheime Abkommen zwischen dem Heiligen Stuhl und Peking über die Ernennung von Bischöfen weiterhin in Kraft ist. Unterdessen verstärkt die chinesische Regierung weiterhin die Überwachungsmechanismen über die offizielle Kirche und übt massiven Druck auf jene katholischen Gemeinden aus, die sich außerhalb der vom Staat anerkannten Strukturen bewegen.