Märtyrer sind passé – zumindest für die synodale Kirche.

Märtyrer vergossen ihr Blut für die vom Himmel herabgekommene Wahrheit. Für den Synodalen gibt es keine Wahrheit, nur eine verhandelbare Prozedur.

Wer würde dafür sterben?

Für den Synodalen ist die Wahrheit eine peinliche Relikt aus vorflutlicher Zeit – und Märtyrer ebenfalls.

Zum Verdruss gläubiger Katholiken marschiert die synodale Kirche voran. Jede Religion, die diesen Namen verdient, schaudert ob der spielplatztherapeutischen Komödie, die da als Katholizismus daherkommt.

Unser einziger Trost bietet sich darin, dass ihre Anziehung einzig in den avantgardistischen Salons der „auffälligen“ theologischen Elite besteht. Diese rühmen sich ihrer Distanz zum stinkenden katholischen hoi polloi, das noch immer den Rosenkranz und Gebetbücher umklammert und sich in zerknirschter Reue vor den Beichtstühlen anstellt. Die Synodalen mitsamt ihrer Begleiter wie America, dem National Catholic Reporter und den elitären katholischen Universitäten gebaren einen neuen „Christentum“, der nicht mehr an die „ausgedienten“ Jahrtausende der Vergangenheit gekettet ist. Die Bright Young Things (verzeihen Sie, Mr. Waugh) sind keine Opfer eines wörtlichen Evangeliums mehr, das Gott beim geoffenbarten Wort nimmt. Teil ihres Glanzes ist ein stolz entfaltetes Revisionsblatt des Evangeliums, ungetrübt durch die rüde Sachlichkeit der Vergangenheit.

Die „salt of the earth“-Katholiken finden diese Übungen verwirrend, um nicht zu sagen tief beleidigend. Doch sie sind natürlich die Stimmlosen in einer offenkundigen Zeit atemloser Spiele des „synodalen Zuhörens“. George Orwell gibt uns hier eine treffliche Lektion, wenn er in Farm der Tiere scharfsinnig schreibt: „Alle Tiere sind gleich, aber einige sind gleicher.“ Die herablassende Gleichgültigkeit der synodalen Eliteverhältnisse den gemeinen Katholiken für eine amüsante Kuriosität – jeder Einzelne erblindet, dem so etwas wie übernatürlicher Glaube anhaftet, an dem sie sich kläglich wie hungernde Gefangene an ihre trockenen Brotkrusten klammern.

Und doch haben die synodalen Apparatschiks den offiziellen Segen der hierarchischen Kirche auf ihrer Seite, sodass so mancher ahnungslose Katholik verunsichert wird. Kombiniert mit dem gegenwärtig herrschenden Nebel der gedämpften Lehrklarheit und der kunstfertigen Erzeugung moralischer Ambivalenz sehen wir, wie die Synodalität den wankenden Gang so manchen gläubigen Katholiken noch unsicherer macht.

Das synodale Programm wirkt mit jeder neuen Iteration immer hallucinogener. Denkerische Menschen betrachten dieses Treiben als kindischen Unsinn, unwürdig der einst so mächtigen Institution der katholischen Kirche. Diese Art von Gequatsche gehört eher in gepolsterte Krankenzimmer als in die heiligen Gänge des Vatikanischen Palastes. Die ungenießbare theologische Neuersprache der Sr. Nathalie Becquart, XMCJ, Untersekretärin der Bischöflichen Synode, möge von uns begutachtet werden:

Synodalität ist kein zu implementierendes Programm, kein Projekt mit Ablauftermin 2028, keine weitere Besprechung. Sie ist unser tiefes Wesen als Kirche, verwurzelt im Geheimnis der Dreifaltigkeit. Sie zielt nicht darauf ab, eine neue Kirche zu sein, sondern die Kirche in veränderter Weise zu leben: ein Übergang von einer Kultur des Klerikalismus, Hierarchismus und institutioneller Selbstgenügsamkeit hin zu einer Kultur des Zuhörens, der Mitverantwortung, der Unterscheidung und des echten Austauschs.

Man beachte die geschickte Manipulation: klassische katholische Begriffe (etwa die Dreifaltigkeit) werden mit destabilisierenden antinomianischen Einwürfen verquickt. Das Ergebnis ist ein Katholizismus, der so durchlässig geworden ist, dass er nur noch wenig mit der von Gott gegründeten Kirche gemein hat.

Dies ist eine neue Kirche, in der apodiktische Glaubenserklärungen mit dem alten Verdikt der Häresie belegt werden. Hier gilt Gewissheit als Schwäche, Ambivalenz wird als mutiger Vorstoß belohnt. In der Welt der Synodalität ist die Moral von objektiver Wahrheit losgelöst und resultiert in einer auffälligen Fröhlichkeit, die einer starren Moral weit überlegen scheint.

In einer Kirche mit einem so lässigen laissez-faire-Glaubensbekenntnis wird jede Sichtweise angenommen – außer einer, die auf unerschütterlicher moralischer und lehrhafter Gewissheit fußt. In einer solchen Kirche haben die Heiligen und Märtyrer der Jahrtausende keinen Platz.

Welcher vernünftige Mensch würde schließlich für „Begleitung“ sterben wollen?

Welchen Platz hätten St. Isaac Jogues und seine Gefährten in einer solchen Kirche? Sie erduldeten sadistische Märtyrertode, weil sie wussten, dass die Religionen der Huronen und Irokesen falsch waren und nur das rettende Wasser der Gnade der Kirche die Last ihrer Heidentums mindern konnte. Zeitgenössische Kirchenmänner würden dieses Opfer als peinlich und unnötig erachten. Wenn jede Religion ein Weg zu Gott ist, dann starben diese heroischen Märtyrer vergeblich. Für Sr. Nathalie Becquart und ihre synodalen Mitstreiter wären solche Opfer ein amüsantes Kuriosum und gänzlich überflüssig – sie stünden nur im Weg des Geistes, der weht, wo Er will.

Welchen Platz hätte ein St. Athanasius, der sich contra mundum für einen unveränderlichen Glauben stellte? Für den Synodalen wäre dies ein starres Festhalten an einer unerwünschten Diskussion, besser in jedem Einzelnen nach eigenem inneren Licht gelassen. Dieser große Heilige erlitt viermal die Verbannung und soll gar von Papst Liberius exkommuniziert worden sein. Für den Synodalen war dieses ganze athanasianische Zwischenspiel eine peinliche Posse – Zeitverschwendung über theologische Belanglosigkeiten, die nur dem „echten Austausch“ und weiterer Traginalisierung des Zuhörens im Weg standen.

Die heldenhaften Märtyrer des elisabethanischen England? Warum starben sie überhaupt? Der neueste Erzbischof von Westminster empfing Dame Sarah Mullally, die sog. Erzbischöfin von Canterbury (sie, eine Championin für Abtreibung und diverse LGBTQ+-Anliegen), mit den offenen Armen eines alten Freundes. Dies ist die Dame Mullally, die den Sitz einer häretischen Kirche beansprucht, für die tausende englische Märtyrer ihr Leben für die unsterbliche Treue zur wahren Kirche hingaben.

Warum also ihr Opfer? Warum diese grausamen Martern? Waren sie verblendet? Entging ihnen das moderne synodale Credo des „Leben und leben lassen“? Waren sie gar schuldig, weil sie starben und dabei den falschen Eindruck erweckten, nicht alle Religionen seien gleich? Hätte ihr grausamer Tod vermieden werden können, wenn sie nur die „Kultur des Zuhörens“ gepflegt hätten? Sollten wir uns nun für das heldenhafte Zeugnis der Hll. John Fisher, Thomas More, Edmund Campion, Robert Southwell und hunderter anderer Seelen genieren? Sind sie gar schuldig, weil sie sich der Häresie Elisabeths und Heinrichs widersetzten, statt sich einem sinnvolleren Modus der Auseinandersetzung zu widmen?

Was ist mit den Hll. Agnes, Cecilia und Agatha? Sie ertrugen die monströsen Foltern des offiziellen Rom, statt den heidnischen Göttern Räucherwerk darzubringen. Erscheint ihr Opfer nicht als gänzlich überflüssig, wenn südamerikanische Bischöfe an Pachamama-Zeremonien teilnehmen? In der Logik der Synodalität müssen sie im Irrtum befangen sein, weil sie den gutmeinenden heidnischen Römern nicht ihren eigenen Weg der Authentizität gönnten?

Was ist von der Unverfrorenheit des Hl. Polykarp zu halten, der dem Markion den Ausruf entgegenschleuderte: „Du, Markion, Erstgeborener des Satans!“? War diese Invektive des Hl. Polykarp gegen den Gnostiker Markion nicht die Sünde der „institutionellen Selbstgenügsamkeit“ und die Verletzung der „Grammatik des Friedens“?

Was ist mit den Märtyrern von Uganda, die grausamen Foltern anheimfielen, weil sie sich den unmoralischen und widernatürlichen Avancen ihres Königs widersetzten? Erlagen sie nicht einer allzu buchstäblichen Auslegung des Sittengesetzes? Oder, mit den Worten eines prominenten Jesuitenherausgebers, waren sie die Opfer einer kläglichen Unverständigkeit, da gleichgeschlechtliche Neigung „nicht ein intrinsisch ungeordnetes Handeln, sondern vielmehr ein lediglich anders geordnetes Handeln“ sei? Wenn diese edlen Ugander nur den weisen Rat dieses Jesuiten gepflegt hätten, hätten sie einen schrecklich grausamen Tod vermeiden können.

Oder was ist mit dem hl. Ludwig IX. von Frankreich, der ins Heilige Land zog, um die heiligen Stätten dem Würgegriff des Islam zu entreißen? Oder dem hl. Bernhard von Clairvaux, der 1146 auf dem Feld von Vézelay den Zweiten Kreuzzug predigte, weil er die würdige Sache erkannte, das katholische Europa vor der Geißel des Islam zu schützen? Oder dem hl. Papst Pius V., der die Heere des katholischen Europa zur Niederlage des Islam bei Lepanto vereinte?

Waren all diese weltfremden Narren etwa bemitleidenswert, weil ihnen die synodale Vision des „nur Freunde, keine Feinde“ nicht einleuchtete? Verdienen sie unser Mitleid, während wir mitansehen, wie sich Kleriker überschlagen, um ein flüchtiges Kopfnicken eines islamischen Mullahs zu erhaschen?

Synodalismus ist nichts anderes als das rasche Entwirren des rettenden Glaubens, den das fleischgewordene Wort „für uns Menschen und zu unserem Heil“ brachte.

Platz hat er jedenfalls nicht für Märtyrer.

Oder für Katholiken wie uns.

Autor

Perricone

Pfarrer John A. Perricone, Ph.D., ist Adjunktprofessor für Philosophie am Iona College in New Rochelle, New York. Seine Artikel erschienen unter anderem im St. John’s Law Review, The Latin Mass, New Oxford Review und im Journal of Catholic Legal Studies. Er ist erreichbar unter www.fatherperricone.com.